Brauchwasser aus Talsperren

Die Thüringer Fernwasserversorgung betreibt und unterhält 37 Brauchwassertalsperren mit einem Stauraum von insgesamt 77,3 Mio. m3.

Derzeit wird aus sieben dieser Stauanlagen Brauchwasser für Industrie- und Agrarunternehmen zur Verfügung gestellt. Dadurch wird die Wertschöpfung und Arbeitsplatzsicherung im ländlichen Raum gestärkt. Steigende Boden- und Pachtpreise, Lohnkostendruck sowie die Agrarpreisentwicklung fordern von den Agrarbetrieben eine immer effizientere Produktion auf schrumpfender Gesamtfläche. Vor dem Hintergrund des Klimawandels wird dies zukünftig für eine Reihe von Kulturen nur durch eine optimale Wasserversorgung der Pflanzen mit einem Bewässerungssystem möglich sein.

In unseren Brauchwassertalsperren speichern wir das erforderliche kostbare Gut und stellen es für bestehende und zukünftige Bewässerungsvorhaben zur Verfügung.

Geringe Abgabemengen an Brauchwasser werden für Industrie und Landwirtschaft aus den Talsperren Dachwig, Hohenleuben, Zeulenroda, Weida, Großengottern, Seebach, Großbrembach, Frohndorf sowie dem Speicher Greiz-Dölau bereitgestellt.

Innovatives Bewässerungsprojekt an der Talsperre Frohndorf

Mit dem kürzlich gestarteten Bewässerungskonzept in Frohndorf beschreitet die Agra-Milch e.G. zusammen mit der Thüringer Fernwasserversorgung im Thüringer Becken im Futteranbau neue und innovative Wege. Eine wirtschaftlich sowie ökologisch nachhaltige Milchproduktion bedarf der Sicherstellung einer Grundfutterproduktion in quantitativer sowie qualitativer Hinsicht. Die Bereitstellung von ausreichend hochwertigem Grundfutter ist im Thüringer Becken mit einem mittleren Jahresniederschlag von unter 500 mm eine besondere Herausforderung.

Seit 2013 läuft deshalb die Planung und Umsetzung eines ganzheitlichen Bewässerungs-projektes mit dem wesentlichen Ziel, die Grundfutterqualität auf den bewirtschafteten Flächen zu verbessern und zu stabilisieren. Das thüringenweit einmalige Bewässerungs-konzept ist dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Der Gesamtwasserbedarf für die 370 Hektar Anbaufläche beläuft sich auf durchschnittlich 500 000 m³ pro Jahr. Aus der Talsperre Frohndorf fließt das Wasser in der Scherkonde zur Pumpstation der Agra-Milch e.G. Hier wird es per Knopfdruck über ein Rohrleitungsnetz verteilt und von 10 Großkreisregnern der Firma HYDRO-AIR international irrigation systems GmbH zum richtigen Zeitpunkt auf die Felder gebracht. Bereits heute werden 163 Hektar beregnet und Mehrerträge von rund 35 % im Vergleich zum unberegneten Feldbau registriert.

Als Eigentümerin der Talsperre Frohndorf unterstützt und begleitet die Thüringer Fernwasserversorgung dieses Projekt während der Konzeptions-, Planungs-, Genehmigungs- und Umsetzungsphase. Durch eine hohe Bereitstellungssicherheit und einen langfristigen Brauchwasserliefervertrag garantiert sie die Investitionssicherheit und technische Sicherheit des Betriebs der Beregnungsanlagen. Nachdem die Anstalt des öffentlichen Rechts in der Planungsphase die Agra-Milch e.G. bei der wasserwirtschaftlichen Grundlagenermittlung und der Beantragung der wasserrechtlichen Genehmigungen unterstützt hat, besteht nun die Hauptleistung in der Speicherung des Bewässerungswassers im Winterhalbjahr in den Stauanlagen Frohndorf und Großbrembach sowie dessen bedarfsgerechte Bereitstellung.

Durch das Vorhaben wird beispielhaft gezeigt, wie unter klimatisch ungünstigen Bedingungen durch den Einsatz moderner Verfahren Arbeitsplätze erhalten und die Wertschöpfung im ländlichen Raum gestärkt werden kann - möglicherweise Impulse für andere Agrarstandorte und Brauchwassertalsperren. Durch die Etablierung einer zweimaligen Ernte auf einer Teilfläche pro Jahr werden die sich aus dem Klimawandel ergebenden Chancen von der Agramilch konsequent genutzt.