Aus hydrologischer Sicht ist Thüringen ein Hochwasserentstehungsgebiet in zentraler Lage Deutschlands. Am "Dreistromstein" im Thüringer Wald treffen die Einzugsgebiete von Elbe, Weser und Rhein zusammen.

Aufgrund der spezifischen geografischen Gegebenheiten setzt der Freistaat Thüringen bei der Steuerung von Hochwasserereignissen auf eine Kombination von

  • Flächenvorsorge (Hochwasserschutz durch Rückhalt in der Fläche im Rahmen des Ausweises von Überschwemmungsflächen, Gewässerrenaturierung, Oberflächenentsieglung und landschaftsgestalterischen Maßnahmen) sowie
  • aktivem technischen Hochwasserschutz durch Hochwasserrückhaltebecken und Talsperren sowie Hochwasserpolder, Deiche, Flutkanäle und -mulden oder mobile Hochwasserschutzeinrichtungen.

Oberste Priorität soll dabei die Rückhaltung des Wassers an sich haben, was gewährleistet werden soll durch Versickerung auf den Grundstücken, dezentrale Rückhaltung in geeigneten Geländebereichen und Überschwemmungsgebieten sowie durch steuerbare Flutpolder und Rückhaltebecken. Hierfür wird derzeit ein "Retentionskataster" entwickelt, in dem Flächen für den Rückhalt ausgewiesen werden und welches die Festsetzung von Überschwemmungsgebieten unterstützen soll.

Da auch der beste Hochwasserschutz, sei er naturnaher oder technischer Art, nicht verhindern kann, dass Ereignisse den Bemessungsfall übertreffen und zu Überschwemmungen führen, hat der Freistaat Thüringen auch erhebliche Maßnahmen zur Hochwasservorsorge vorgesehen, wie die Hochwasseraktionspläne oder den Hochwasserwarn- und -meldedienst.

Hochwasserrückhaltebecken Straußfurt

Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1961 schützt das Hochwasserrückhaltebecken Straußfurt die Unterlieger der Unstrut und Saale in Thüringen und Sachsen-Anhalt bei Hochwasserereignissen. Anlass für den Bau waren die nahezu alljährlich auftretenden Hochwässer im Mittel- und Unterlauf der Unstrut mit großen materiellen und immateriellen Schäden.

Die Stauanlage Straußfurt gehört zum Hochwasserrückhaltesystem Unstrut-Helme. Die Unstrut entspringt im Eichsfeld in Nordthüringen und nimmt im Thüringer Becken als wichtigste Nebenflüsse die Gera, die Helbe, die Wipper sowie die Helme auf. Sie hat mit ihren Nebenflüssen ein Gesamteinzugsgebiet von zirka 6 400 km². Die Hochwasserrückhaltebecken Straußfurt und Kelbra (Sachsen-Anhalt) werden für einen effizienten Hochwasserschutz länderübergreifend im Verbund betrieben.

Hangüberlauf zur Hochwasserentlastung an der linken Flanke
Hangüberlauf zur Hochwasserentlastung an der linken Flanke

 

Das Becken von Straußfurt, nahe Sömmerda, ist nur im Sommer teileingestaut. Im Winter wird es vollständig entleert, um bis zu 19 Mio. m³ Wasser aus dem 2 000 km² großen Einzugsgebiet am Mittellauf der Unstrut im Hochwasserfall zurückhalten zu können.

Das Absperrbauwerk ist ein Zweizonendamm mit einer wasserseitigen Asphaltschutzschicht und mit einem Volumen von 280 000 m³. Der Staudamm ist 1 930 m lang und im Mittel 7,15 m hoch. Bei Vollstau bildet sich ein See mit einer Oberfläche von über 9 km².

Abschlussbauwerk mit vier Doppelhakenschützen einschließlich Antrieben zur Steuerung der Stauanlage
Abschlussbauwerk mit vier Doppelhakenschützen einschließlich Antrieben zur Steuerung der Stauanlage

 

 

 

Bekannt ist das Hochwasserrückhaltebecken Straußfurt auch als Rastplatz vieler Zug- und Wasservögel.