Der Bau und der Betrieb von Talsperren und Wasseraufbereitungsanlagen sowie die Verteilung von Wasser in ausgedehnten Leitungsnetzen stellen Eingriffe in die Umwelt dar. Diese gilt es zu ermitteln, zu bewerten und zu minimieren oder anderweitig zu kompensieren.

Die aktuelle Zusammenarbeit der Thüringer Fernwasserversorgung mit Umweltverbänden, Fachbehörden und Forschungseinrichtungen im Hinblick auf die Umsetzung der Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) zeigt, dass die Erfüllung der Aufgaben der Thüringer Fernwasserversorgung mit den Zielen der WRRL vereinbar ist.

Talsperrenökologie
Wasserfloh

Der Verlust des ehemaligen Baches durch den Einstau der Talsperren ist unvermeidlich. Die Schaffung großer Wasserflächen ist aber kein ökologisches Desaster. So entwickeln sich an Vorsperren oft wertvolle Biotope, die von Amphibien und seltenen Kleinfischen und Wasserpflanzen besiedelt werden. Die fischereiliche Bewirtschaftung der Trinkwassertalsperren ist auf die Etablierung eines standorttypischen Fischbestandes ausgerichtet, welcher garantiert, dass alle Glieder der Nahrungskette, von den Algen über die Wasserflöhe bis zu den Raubfischen, in einem ausgewogenen Verhältnis vorkommen. Dies kommt auch der Wasserqualität zugute, da bereits in der Talsperre natürliche Selbstreinigungsprozesse durch Biofiltration stattfinden.

Verfahrenstechnik und Umweltschutz
Kammerfilterpresse

Beim Betrieb von Wasseraufbereitungsanlagen fallen Rückstände an, die bei der Reinigung zusammen mit Aufbereitungsmitteln aus dem Rohwasser filtriert werden. Diese eher naturnahen Rückstände dürfen dennoch nicht oder nur in geringen Mengen in die Gewässer gelangen. Sie werden deshalb in separaten Behandlungsanlagen abgetrennt. Die Rückstände werden einer umweltgerechten Verwertung zugeführt. Das Klarwasser gelangt ins Gewässer und unterliegt Überwachungswerten. Diese werden regelmäßig gemessen und den zuständigen Umweltbehörden übermittelt und von der Gewässerschutzbeauftragten der TFW überwacht.

In regelmäßigen Abständen wird das Rohrnetz gespült, um Ablagerungen zu entfernen. Das dabei verwendete Trinkwasser und das entstehende Spülwasser unterscheiden sich hinsichtlich einiger chemischer Parameter vom Wasser in natürlichen Gewässern. Deshalb sind für Netzspülungen und den Abschlag des Wassers in die Vorfluter bei den zuständigen Umweltbehörden Genehmigungen einzuholen. Die Auswirkungen auf das natürliche Ökosystem bleiben damit minimal.

Gewässerschutz
FFH-Gebiet "Unteres Schwarzatal"

Die Einzugsgebiete von Trinkwassertalsperren werden durch Wasserschutzgebiete geschützt. Dieser strenge Gewässerschutz kommt der Entwicklung natürlicher und naturnaher Ökosysteme sehr entgegen. Das Verbot des Umgangs mit Schadstoffen, restriktive Auflagen an die Landwirtschaft und die Etablierung naturnaher Mischwälder  sind nur einige Beispiele, wie im Umfeld von Talsperren Gewässerschutz und Ökologie in Einklang gebracht werden.

Die Thüringer Fernwasserversorgung hat mit zahlreichen landwirtschaftlichen Betrieben Kooperationsvereinbarungen geschlossen. Auf diese Weise ist zum Beispiel geregelt, in welchem Umfang gedüngt, der Boden bearbeitet oder Zwischenfrucht-Kulturen angebaut werden. Die Umsetzung der Maßnahmen wird durch landwirtschaftliche Berater kontrolliert und bewertet. Neben Bodenuntersuchungen gehören dazu die vollständige Prüfung der Düngebilanzen, die Kontrolle der Ausbringungstermine sowie der zum Einsatz kommenden Technik.

Minimierung der Auswirkungen von Talsperren
Blick auf die Talsperre Leibis/Lichte

Die großen und tiefen Trinkwassertalsperren stellen eine unüberwindbare Barriere für Wasserorganismen der Fließgewässer dar. Da nahezu alle Trinkwassertalsperren an den Oberläufen der Bäche (Forellenregion) liegen, ist die Barrierewirkung auf das Fließgewässersystem meist nicht gravierend. Fischaufstiegshilfen an den großen Bauwerken dieser Talsperren haben deshalb nur geringe Effekte. Wichtiger sind deshalb Projekte, die sich mit Aufstiegsmöglichkeiten von den Talsperren in die Bachläufe oder mit der Passierbarmachung von Stauanlagen in großen Fließgewässersystemen beschäftigen.

Die Unterläufe von Talsperren werden durch die gegenüber dem natürlichen Bach veränderte Wasserführung, Geschiebemenge und Wasserqualität beeinflusst. Dort, wo im Unterlauf wertvolle Biotope geschaffen oder erhalten werden sollen (z. B. FFH-Gebiet »Unteres Schwarzatal«), bieten sich Maßnahmen der ökologischen Speicherbewirtschaftung, wie sie seit Februar 2005 an der Talsperre Leibis/Lichte praktiziert werden, an.

Kernstück dieser ökologischen Bewirtschaftung ist die Steuerung des an den Unterlauf abgegebenen Wassers so, dass Niedrig- und Hochwasserereignisse möglichst identisch mit dem der Talsperre zufließenden Wasser abgeleitet werden, während bei mittleren Zuflüssen die Speicherung in der Talsperre erfolgt. Weiterhin darf sich die Temperatur des abgegebenen Wassers gegenüber dem Zufluss nur geringfügig ändern.

Oft werden aber die Unterläufe der Talsperren durch den Einfluss von Ortschaften hinsichtlich Qualität und Struktur bereits so stark verändert, dass eine ökologische Speicherbewirtschaftung keine Verbesserung des Gewässerökosystems erwarten lässt.

Fischerei
Bachforelle

Die Thüringer Fernwasserversorgung hat das Fischereirecht an ihren Stauanlagen. Dieses ist an ortsansässige Hegegemeinschaften und Vereine verpachtet.

Fische stellen in natürlichen Gewässern und auch in Talsperren die Spitze des Nahrungsnetzes dar. Menge und Qualität des Fischbestandes werden neben den Hegemaßnahmen deshalb stark durch das Nahrungsangebot im Gewässer und natürlich durch die Wasserqualität beeinflusst. In Trinkwassertalsperren mit höchster Wasserqualität ist deshalb bedingt durch den geringen Nährstoffgehalt der fischereiliche Jahresertrag nur sehr niedrig (teilweise nur 5 kg/h*a). Um selbsttragende, natürliche Fischpopulationen aufzubauen, sind deshalb strengste Vorschriften hinsichtlich Besatz und Entnahme der Fische einzuhalten, die von den Pächtern konsequent  kontrolliert und umgesetzt werden.

Die Etablierung ausgewogener standortgerechter Fischbestände mit einem stabilen Verhältnis aller Größen- und Altersklassen ist auch von enormer Bedeutung für die Wasserqualität. Bei der Thüringer Fernwasserversorgung wird das Nahrungsnetz im Freiwasser so bewirtschaftet, dass die natürliche Selbstreinigung gefördert wird, um Aufbereitungskosten zu senken.  Das als »Biomanipulation« bezeichnete Konzept hat das Ziel, die Kleinfischbestände zu verringern und einen höheren Raubfischanteil zu schaffen. Dadurch kann sich  das filtrierende Zooplankton besser entfalten.