Modellvorhaben Weida

Ausgangssituation:

Die Ziele der Europäischen Union (EU) zum Schutz der Gewässer sind seit dem Jahr 2000 in der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) verbindlich festgelegt, darunter auch die Reduktion des diffusen Eintrages von Nähr- und Schadstoffen in Gewässern. Diffuse Stoffeinträge in Oberflächengewässer werden in Deutschland überwiegend durch landwirtschaftliche Nutzung verursacht.

Im Zuge der Umsetzung der WRRL der EU führte die Thüringer Fernwasserversorgung ein Modellvorhaben zur Reduzierung des diffusen Stickstoffeintrages aus landwirtschaftlich genutzten Flächen im Einzugsgebiet der Weida durch.





Projektpartner und Ziele


Das Modellvorhaben wurde von der TFW im Auftrag des Freistaates Thüringen durchgeführt und von der EU kofinanziert. Die Projektbeteiligten waren:

die Interessengemeinschaft der im Einzugsgebiet wirtschaftenden Landwirte (IGTZL),
das Kompetenzzentrum Dynamik komplexer Geosysteme (DKS) der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena,
die Firma AGROLAB GmbH,
die Ingenieurgemeinschaft IfÖL/BÖF, Kassel,
die Thüringer Fernwasserversorgung (Projektkoordinator).

In dem Modellvorhaben sollen in den Jahren 2004 bis 2006 bereits erprobte Maßnahmen zur Reduzierung des Stickstoffeintrags im Einzugsgebiet der Weida umgesetzt und hinsichtlich der Vorgehensweise und ihrer Effizienz bewertet werden. Projektziele waren dabei:

Erprobung und Einsatz eines computergestützten Entscheidungsunterstützungssystems zur Flächen- und Methodenauswahl,
Entwurf und Umsetzung eines Maßnahmenplans zur Reduzierung des Stickstoffeintrags in Gewässer,
Optimierung der Vorgehensweise durch Evaluierung der Maßnahmen und begleitende Erfolgskontrolle.


Strategie und Maßnahmen

Die Maßnahmen umfassen das im Freistaat Thüringen gelegene Einzugsgebiet der Weida südwestlich der Stadt Zeulenroda. Die Weida entwässert bis zur Mündung in die Talsperre Zeulenroda eine Fläche von 103 km2. Hauptgewässer im überwiegend landwirtschaftlich genutzten Einzugsgebiet sind die Weida und die Gülde, die beide zu den am stärksten mit Stickstoff befrachteten Fließgewässern in Thüringen zählen.
Bei der Umsetzung der Maßnahmen auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen des Einzugsgebietes wurden drei Strategien verfolgt:

Nutzungsverzicht bzw. Nutzungsänderung (Aushagerung von Pufferflächen durch Extensivierung und Düngungsverzicht im Auenbereich)
Verminderung der Nährstoffüberschüsse (Stickstoffbindung durch gewässerschonende Bewirtschaftung mit Fruchtfolgeumstellung, Zwischenfruchtanbau, möglichst ganzjähriger Bodenbedeckung)
Optimierung des Düngereinsatzes (Verbesserung der Düngeberatung und der Ausbringungstechnik, Einsatz stabilisierter Stickstoffdünger).

Flächenauswahl und Erfolgskontrolle

Für die Auswahl der Flächen, auf denen die Maßnahmen zum Gewässerschutz umgesetzt werden sollen, wurde das integrierte wasserwirtschaftliche Entscheidungsunterstützungssystem (IWES) eingesetzt. Dieses wurde an der FSU Jena am Lehrstuhl für Geoinformatik entwickelt und  für das Projekt angepasst. Hierdurch ist eine Auswahl der Flächen möglich, die besonders sensitiv hinsichtlich der Wirksamkeit stickstoffreduzierender Maßnahmen sind.

Für das Projekt wurde eine Erfolgskontrolle mit folgenden Stufen durchgeführt:

Maßnahmen-Evaluierung (Bewertung der gewählten Vorgehensweise zur Flächenauswahl und Maßnahmenumsetzung),
Kosten-Nutzen-Analyse (Erfassung und Bewertung der Kosten der verschiedenen Maßnahmen und Strategien sowie Abschätzung des Nutzeneffektes),
Messung der Stickstoffreduktion im Einzugsgebiet am Pegel Läwitz.

Uferlandschaft bei Zeulenroda
Gelbsenf als Zwischenfrucht
Kühe nahe der Talsperre Weida