Grundsteinlegung für Wasserkraftanlage

Thüringer Fernwasserversorgung erzeugt regenerative Energie in Erfurt

v.l. Andreas Bausewein, Alexander Hilge, Thomas Stepputat, Olaf Möller

Der symbolische Grundstein für die Wasserkraftanlage der Thüringer Fernwasserversorgung (TFW) im Erfurter Norden ist gesetzt. Am 17. Mai legten Umweltstaatssekretär Olaf Möller als Vorsitzender des Verwaltungsrates der TFW, Thomas Stepputat, Geschäftsführer der TFW, Oberbürgermeister Andreas Bausewein und Alexander Hilge, zuständiger Beigeordneter für die Buga 2021 die Zeitrolle in den Baugrund. Das Wasser aus den Talsperren Schmalwasser und Tambach-Dietharz passiert auf den rund 45 Kilometern zwei Wasserkraftanlagen, die einen wesentlichen Beitrag zur ökologischen Energiegewinnung leisten werden. Darüber hinaus wird das Talsperrenwasser landwirtschaftliche Betriebe bei der Bewässerung unterstützen und füllt den nahegelegenen Teich in der nördlichen Gera-Aue.

„Der Klimawandel mit seinen Extremwettern trifft die Landwirtschaft besonders hart, das hat der vergangene Dürre-Sommer gezeigt. Mit der Westringkaskade unterstützen wir zukünftig die Obstbauern der Fahner Höhe beim Bewässern ihrer Anbauflächen. Zusätzlich leisten die neuen Wasserkraftwerke einen Beitrag zur Energiewende und halten die Wasserpreise stabil. Hier zeigt sich einmal mehr, dass sich mit Grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben lassen“, sagte Umweltstaatssekretär Olaf Möller. Erste Projekte in Zusammenarbeit mit der ThüringenWasser GmbH seien in der Entwicklung.

„Wir wollen einen Beitrag zur alternativen Energieerzeugung und zur Preisstabilität des Fernwassers leisten“, fasst Thomas Stepputat die Vielschichtigkeit des Projekts zusammen. Die TFW passt die Nutzung ihrer Anlagen an die geänderten Bedarfe entlang der Versorgungslinie vom Thüringer Wald bis nach Erfurt an. Freiwerdende Ressourcen sollen effektiv eingesetzt werden. Zukünftig soll eine der parallel verlegten Fernwasserleitungen für die umweltfreundliche Energiegewinnung genutzt werden.

Auf zwei Kaskaden wird das vorhandene Wasser vom Thüringer Wald bis nach Erfurt rund 290 Meter Höhenunterschied durchlaufen und regenerative Energie erzeugen. Die erste Wasserkraftanlage entsteht am Standort des bestehenden Hochbehälters in Gotha – Kleiner Seeberg, die zweite Wasserkraftanlage in Erfurt. Beide Anlagen zusammen werden rund acht Millionen Kilowattstunden im Jahr erzeugen. Das entspricht der jährlichen Versorgung von rund 4.000 Zwei-Personen-Haushalten. „In Erfurt sind zwar viele Flussstränge, aber für Wasserkraft reichte das bisher nicht aus. Von daher passt die Wasserkraftanlage sehr gut nach Erfurt“, stellt Oberbürgermeister Andreas Bausewein die Einspeisung und den Beitrag für die Ökostrom-Bilanz der Stadt Erfurt dar.

v.l. Andreas Bausewein, Olaf Möller, Sven Schröter (Moderator), Thomas Stepputat, Alexander Hilge

Das Wasserkraftwerk in Erfurt liegt am Rande des Buga-Geländes und bietet nach Fertigstellung im Frühjahr 2020 Besuchern und interessierten Bürgern Informationen und Einblicke in die regenerative Energieerzeugung. Das Wasser aus dem Thüringer Wald wird zu einem Teil auch in den naheliegenden Teich geleitet, welcher im Rahmen der Buga entsteht. „Wir holen den Thüringer Wald nach Erfurt“, beschreibt Alexander Hilge den positiven Synergieeffekt für die Buga. Das Wasser aus der Talsperre Schmalwasser sei Grundlage für den entstehenden Teich, der mit seiner Wasserfläche auch einen Beitrag zum Klimaschutz für die Stadt Erfurt leiste.

Hintergrundinformation zum Projekt „Westringkaskade“

Das Verbundwasserversorgungssystem Mittel- und Nordthüringen versorgt seit 1967 weite Teile des Thüringer Beckens anteilig mit Fernwasser. Das Fernwassersystem wird heute aus der Trinkwassertalsperre Ohra und bis 2005 auch aus den Talsperren Tambach-Dietharz und Schmalwasser gespeist. Über den sogenannten Westring werden Gotha, Erfurt und Teile des Landkreises Sömmerda versorgt. Der Westring besteht in nahezu allen Teilabschnitten als Doppelleitungssystem. Von dem Doppelleitungssystem ist aufgrund der nach 1990 stark reduzierten Fernwasserabsatzmengen und der prognostizierten Fernwasserbedarfsmengen zukünftig nur eine der beiden Rohrleitungen für die Versorgung erforderlich. Die Westringkaskade entsteht durch die Umnutzung der zweiten Rohrleitung. Über eine Gesamtlänge von rund 45 Kilometern wird darüber Talsperrenwasser zur umweltfreundlichen Energieerzeugung fließen sowie Brauchwasser bereitgestellt. Mit den Einnahmen sollen die Kosten für das gesamte Leitungsnetz und für die Anlagen gestützt werden, um den Fernwasserpreis stabil zu halten.

Energiegewinnung
Westringkaskade - Energiegewinnung
Ein Großprojekt mit mehreren Etappen
Ein Projekt für die Zukunft

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