Hochwasserrückhaltebecken Straußfurt: Vorbereitungen auf den Winter

Absenkung auf Winterstauziel beginnt

Abschlussbauwerk mit Abgabe an die Unstrut, Quelle: Steve Bauerschmidt

Am Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Straußfurt werden die Vorbereitungen für das Winterhalbjahr und die damit verbundenen stärkeren Zuflüsse getroffen. Am 4. Oktober beginnt die Thüringer Fernwasserversorgung mit der Entleerung des Teildauerstauraumes des HRB Straußfurt. Vier Millionen Kubikmeter Wasser werden kontrolliert an die Unstrut abgegeben, bis das Winterbetriebsstauziel – ein leeres Becken – erreicht ist. Im Unterlauf der Unstrut ist mit einer gering erhöhten Wasserführung zu rechnen.

Seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 1961 schützt das Hochwasserrückhaltebecken Straußfurt die Unterlieger der Unstrut in Thüringen und Sachsen-Anhalt – darunter die Orte Sömmerda, Artern, Roßleben, Wangen, Nebra, Laucha und Freyburg. Die Stauanlage ist Teil des Hochwasserrückhaltesystems Unstrut-Helme und wird länderübergreifend mit dem HRB Kelbra in Sachsen-Anhalt betrieben.

Mit Betrieb des HRB in Straußfurt leistet die Thüringer Fernwasserversorgung einen wichtigen Beitrag zum aktiven Hochwasserschutz. Das HRB dämpft abfließende Hochwasserwellen, indem es überschüssige Wassermengen aus den Einzugsgebieten von Unstrut und Gera mit einer Fläche von 2044 Quadratkilometern zwischenspeichert. Die Wassermengen werden nach dem Hochwasserereignis wieder kontrolliert an den Unterlauf der Unstrut abgegeben. Die Abgabemengen zur Steuerung im Hochwasserfall legt die Hochwassernachrichtenzentrale im Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz fest.

Im Sommerhalbjahr von April bis Oktober ist das HRB teilweise eingestaut. In der Zeit dient es als Angelgewässer und wird von Zug- und Wasservögeln als Rastgebiet angenommen. Im Herbst wird das Becken komplett entleert, um die größeren Wassermengen durch stärkere Regenfälle oder Schneeschmelze im Winterhalbjahr aufnehmen zu können und somit Hochwasserspitzen zu entschärfen.

Wissenswertes zum HRB Straußfurt
HRB im Teildauerstau mit Blick auf Henschleben, Quelle: Steve Bauerschmidt

Das HRB Straußfurt wurde im Zeitraum 1952 bis 1960 errichtet. Zwischen 1980 und 1988 erfolgten umfangreiche bauliche Veränderungen zur Einrichtung eines Teildauerstaus. Das HRB Straußfurt verfügt über einen gewöhnlichen Hochwasserrückhalteraum von 18,64 Mio. Kubikmetern. Das Absperrbauwerk besteht aus einem circa neun Meter hohen Staudamm mit einer Länge von rund 1850 Meter. Auf etwa halber Länge quert das Gewässer Unstrut den Staudamm in einem Betonbauwerk. Hier werden die dem HRB zufließenden Wassermengen im Hochwasserfall mittels vier Doppelhakenschützen auf einen maximalen Abfluss von bis zu 100 Kubikmeter pro Sekunde begrenzt, um Schäden unterhalb der Stauanlage zu vermeiden. Die darüber hinaus zufließenden Wassermengen werden im Stauraum zurückgehalten. Ist der Stauraum gefüllt, erfolgt eine Entlastung über die 270 Meter lange Hochwasserentlastungsanlage an der linken Dammschulter. Die Wassermengen strömen dann über das luftseitige Dammvorland ab.

Bei den Hochwässern 1961, 1981, 1994, 2003 und 2013 mit Zuflüssen von bis zu 280 Kubikmeter pro Sekunde konnten durch den dafür in der Betriebsvorschrift festgelegten Betrieb des HRB Straußfurt die Schäden in und an der Unstrut sowie an Siedlungen und Infrastrukturanlagen auf ein Minimum reduziert werden.

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