Stauanlagen im Landkreis Hildburghausen mildern Hochwasser

Schönbrunn/Ratscher/Grimmelshausen – Die drei Stauanlagen in Südthüringen leisten aktuell einen erheblichen Hochwasserschutz für die Region. Allein in den letzten drei Tagen konnten 4 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden.

Zu Beginn des aktuellen Hochwassers in Südthüringen betrug das Wasseräquivalent des Schnees im Mittelgebirge rund 100 Millimeter. Zu dem Tauwetter kamen in der Zeit vom 3. Februar am Abend bis zum 4. Februar am Morgen erhöhte Niederschläge hinzu. Die Niederschläge fielen mit bis zu 40 Millimeter deutlich höher aus als vom Deutschen Wetterdienst vorhergesagt. Bei derartigen Wetterlagen halten sich Volker Zimmermann, Leiter Stauanlagen Mittelthüringen bei der Thüringer Fernwasserversorgung (TFW), und sein Team einsatzbereit und haben ein waches Auge im Bereitschaftsdienst. In der Nacht zum Donnerstag stieg der Wasserstand der Oberen Werra, der Schleuse und deren Nebenflüsse sehr rasch und steil“, beschreibt Volker Zimmermann die Ereignisse, die zu zahlreichen Überschreitungen der Meldegrenzen und Alarmstufen der Hochwassermeldepegel der Hochwassernachrichtenzentrale im Gebiet der oberen Werra und der Schleuse führten.

Wassermassen durch Stauanlagen aufgefangen

Die TFW reagierte auf das Hochwassergeschehen und aktivierte den Einstau der Betriebs- und Hochwasserrückhalteräume der drei Stauanlagen Schönbrunn sowie der Hochwasserrückhaltebecken Ratscher und Grimmelshausen. Die Abgaben aus den Stauanlagen wurden in Abstimmung mit dem Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz gedrosselt, um die unterliegenden Ortslagen zu schützen. Mit einem erhöhten Personaleinsatz stemmt das Team um Volker Zimmermann die jetzt notwendigen verstärkten und engmaschigeren Kontrollen an den Anlagen. „Am Hochwasserrückhaltebecken Grimmelshausen, wo sonst nur reguläre Kontrollen notwendig sind, haben wir seit dem 4. Februar rund um die Uhr eine Doppelbesetzung in zwei Schichten“, beschreibt Volker Zimmermann den erhöhten Personaleinsatz. Am Hochwasserrückhaltebecken Ratscher wurden die Kontrollintervalle erhöht. Auch die neuen Grundablassschütze, die vor vier Jahren erneuert wurden, kamen jetzt zum vollen Einsatz. Die Talsperre Schönbrunn wird aufgrund ihrer Größe und Komplexität auch in normalen Zeiten rund um die Uhr betreut.

Trinkwassertalsperre Schönbrunn: Gesamtzufluss und Unterwasserabgabe Zeitraum 29.01. – 05.02.2021

Die stillen Helfer in Hochwasserzeiten konnten durch die Steuerung der drei Anlagen insgesamt vier Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten. An der Talsperre Schönbrunn wurde ein Zufluss von 13,6 Kubikmeter pro Sekunde im Stauraum aufgefangen und nur 0,05 Kubikmeter pro Sekunde an die Schleuse abgegeben. Dem Hochwasserrückhaltebecken Ratscher flossen in der Spitze 28,8 Kubikmeter pro Sekunde zu und der Abfluss wurde gedrosselt auf fünf Kubikmeter pro Sekunde. In Summe konnten durch die beiden Stauanlagen unter anderem für die Ortslage Rappelsdorf eine Reduzierung von 70 Kubikmeter pro Sekunde auf 34 Kubikmeter pro Sekunde erreicht werden. Das entspricht 50 Zentimeter Wasserstand. Auch konnte so eine Überlagerung der Hochwasserscheitel aus der Nahe und der Schleuse verhindert werden.

Der Pegel Rappelsdorf blieb unter der Alarmstufe 1. Die Schleuse war dort bordvoll und trat nicht über die Böschungsoberkanten. Ohne die beiden Stauanlagen der Thüringer Fernwasserversorgung wäre in Rappelsdorf die Alarmstufe 3 erreicht worden.

Wasserstand der Werra um 40 Zentimeter reduziert

Hochwasserrückhaltebecken Ratscher: Gesamtzufluss und Unterwasserabgabe Zeitraum 29.01. – 05.02.2021

Auch für weiter flussabwärts liegende Regionen, bis Themar und Meiningen, konnte Wasser zurückgehalten werden. Die Hochwasserschutzwirkung im Verbund mit dem Hochwasserrückhaltebecken Grimmelshausen verhinderte Überflutungen und Schäden. Am Pegel Meiningen kamen durch die Maßnahmen 37 Kubikmeter pro Sekunde weniger an und verblieben im Hochwasserrückhaltebecken der Stauanlagen in Schönbrunn, Ratscher und Grimmelshausen. Der Wasserstand der Werra in Meiningen wurde im Zusammenwirken der drei TFW-Stauanlagen um 40 Zentimeter reduziert.

Die in den 1970er bis 1980er Jahre entstandenen Hochwasserschutzanlagen haben ihre feste Aufgabe im Hochwasserschutzkonzept des Landes Thüringen. Sie mildern aktuell die Auswirkungen im hochwassergefährdete Gebiet der oberen Werra.

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