Talsperre Lütsche: Absenkung auf Winterstauziel beginnt

Die Vorboten auf den Herbst sind bereits sichtbar – die morgendlichen Temperaturen fallen in den einstelligen Bereich. Auch der Stauspiegel der Talsperre Lütsche muss für die kommende Wintersaison angepasst werden, um die Standsicherheit des Abschlussbauwerkes auch bei niedrigen Temperaturen zu gewährleisten. Insgesamt werden in den kommenden drei Wochen 784 000 Kubikmeter Wasser an den Fluss Lütsche abgegeben.  

Auf Grundlage des Sonderbetriebsplans für die Talsperre Lütsche vom 10. Juni 2020 wird der Stauspiegel für die Wintermonate vom 10. Oktober bis zum 1. November abgesenkt. Das entspricht einer Absenkung des Stauspiegels von derzeit 580,36 mHN (21,20 mPN) auf 570,00 mHN (10,84 mPN). Die Thüringer Fernwasserversorgung ist bemüht, unter der Prämisse der Einhaltung der Sicherheitsstandards, die Interessen der verschiedenen Nutzer in die Entscheidungen einzubinden. So wird der Angelsportverein Frankenhain e. V. die Absenkung hinsichtlich des verbleibenden Inhalts und der Fläche betreuen. Der Betreiber des anliegenden Campingplatzes ist in die Abläufe eingebunden. Im Uferbereich sind alle Besucher und Nutzer zur Vorsicht aufgerufen. Durch die Absenkung kommt es zum Trockenfallen großer Teile des Stauraumes. In diesen Bereichen kommt es zu Gefahren durch Versinken oder Unwegsamkeit. Im Unterlauf des Flüsschens Lütsche und im weiteren Verlauf der Wilden Gera ist mit einer erhöhten Wasserführung zu rechnen. Der Wiedereinstau ist ab 15. Februar 2022 vorgesehen.

Zum Hintergrund

Seit 2011 laufen verschiedene Untersuchungen und Erkundungen der Thüringer Fernwasserversorgung zum Nachweis der Zuverlässigkeit der in den 1930er Jahren erbauten Talsperre Lütsche. Aus dem abschließenden Bericht vom Dezember 2019 geht hervor: Die Zuverlässigkeit des Absperrbauwerkes und der wasserseitigen Hänge konnten nicht für alle nachzuweisenden Bemessungssituationen aufgezeigt werden. Somit entspricht das Absperrbauwerk der Talsperre aktuell rechnerisch nicht den Anforderungen der allgemein anerkannten Regeln der Technik und damit ebenfalls nicht den Gesetzen des Freistaates Thüringen (ThürWG § 55).

Es darf von einer Stauanlage über ihre Bemessungsgrenzen hinaus keine Gefahr ausgehen. Um das Absperrbauwerk auch in den Wintermonaten möglichst nahe am Normzustand zu halten, ist im Zeitraum November bis Februar eine Stauhöhe von 570,00 mHN (10,84 mPN) einzustellen; bei sich ankündigenden extremen hydrologischen Situationen ist zusätzlich und zeitlich begrenzt auf 565,00 mHN (5,84 mPN) abzusenken. In den Monaten März bis Oktober kann das reguläre Sommerstauziel von 21,26 mPN beibehalten werden. Voraussetzung zur Wiederauffüllung des Stauraumes im Frühjahr sind entsprechende hydrometeorologische Verhältnisse, wie Niederschläge und Schneerücklage, vor allem im Februar und März.

Die Thüringer Fernwasserversorgung positioniert sich klar zur Talsperre und plant die Sanierung der Anlage. Projekte in der Größenordnung sind sehr komplex. Der von der Thüringer Fernwasserversorgung favorisierte Zeitplan sieht noch in diesem Jahr die Ausschreibung der Planungsleistungen vor, sodass im Jahr 2022/2023 die Planung der Generalinstandsetzung vorgenommen werden kann und bei termingerechtem Verlauf die Realisierung für die Jahre 2024/2025 angedacht ist.

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