Talsperren gehen gut gefüllt in den Sommer

Die Trinkwassertalsperren in Thüringen gehen mit hohem Füllstand in das hydrologische Sommerhalbjahr. Die Ressourcen der sechs Trinkwassertalsperren decken über 50 Prozent des gesamten Trinkwasseraufkommens im Freistaat. Der Winter wirkte sich dieses Jahr auch positiv auf alle Brauchwassertalsperren aus.

Die sechs versorgungswirksamen Trinkwassertalsperren im Freistaat verzeichnen mit Ende des hydrologischen Winterhalbjahres Höchststände. Ihre Betriebsräume sind sehr gut gefüllt und stellen das Reservoire für die Versorgung mit dem qualitativ hochwertigen Lebensmittel „Trinkwasser“ sicher. Jährlich werden rund 52 Millionen Kubikmeter Wasser zur Trinkwasseraufbereitung aus den Talsperren durch die Thüringer Fernwasserversorgung (TFW) bereitgestellt. Die hohen Zuflüsse im Februar und März waren vor allem auf die Schneeschmelze zurückzuführen. Vor allem im Thüringer Wald konnten durch die Hochwasserschutzräume in den Talsperren erhebliche Wassermengen zurückgehalten und gleichzeitig Schäden von den unterliegenden Ortschaften abgewendet werden. Mit dem Monat Mai beginnt die Absenkzeit für die Talsperren. Bei normalem Witterungsverlauf erreichen sie im Oktober und November ihren niedrigsten Füllstand und verfügen dann wieder über genügend Freiraum für die zu erwartenden Niederschläge und Schneeschmelzen im darauffolgenden Winterhalbjahr.

Entwicklung der Zuflüsse an den großen Trinkwassertalsperren in Thüringen

Der sehr gute Füllstand ist auch der Weitsichtigkeit der Fachhydrologen zu verdanken. Jede Anlage hat einen Bewirtschaftungsplan, welcher nicht als starres Handbuch zu verstehen ist. Je nach Wetterlage kann situativ auch abgewichen werden. Markus Möller, Fachhydrologe Wasserbewirtschaftung bei der TFW, greift auf Wetter- und Abflussdaten des Deutschen Wetterdienstes, des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz, der TFW sowie auf seine Erfahrungen zurück. Er hat vorausschauend die zu stauenden Wassermengen an den Anlagen angepasst und einen zeitigeren Einstaubeginn ermöglicht, um somit den fehlenden Niederschlägen im Monat April vorzubeugen.

Die TFW betreibt und unterhält rund 70 Anlagen mit Brauchwassernutzung. Derzeit wird aus zehn dieser Stauanlagen Brauchwasser für Industrie- und Agrarunternehmen zur Verfügung gestellt. Bei den Brauchwassertalsperren wird ebenfalls ein sehr guter Füllstand verzeichnet. Auch hier trug die thüringenweite weiße Schneedecke wesentlich zu den ergiebigen Zuflüssen bei. Vor allem für die Anlagen im von Niedrigwasser betroffenen Thüringer Becken waren die Zuflüsse der letzten Wochen und Monate ein Segen. Die Talsperren Dachwig, Frohndorf, Großbrembach, Bachra und Großengottern im Thüringer Becken verzeichnen aktuell Füllstände von 77 bis 111 Prozent des Betriebsstauziels. Auch die Talsperre Zeulenroda, deren Stauspiegel aufgrund von Baumaßnahmen Ende 2020 um rund sechs Meter abgesenkt wurde, verzeichnet aktuell einen Stauinhalt von 22,562 Millionen Kubikmetern. Das entspricht einem Füllstand von 95,5 Prozent. An der Talsperre Lütsche konnte der Wasserstand seit dem Winterabstau um 8,42 m angehoben werden, sodass derzeit 1,63 Meter bis zum Sommerstauziel fehlen.

Füllstände der Thüringer Trinkwassertalsperren

Hinweis TS Leibis/Lichte: Bedingt durch die ökologische Steuerung der Unterwasserabgabe findet an der Talsperre eine Auffüllung bis 100 Prozent Betriebsstauziel nur aller fünf bis zehn Jahre statt und ist eher die Ausnahme.
Talsperre Aktueller Inhalt [Mio. m3]
zum 30.4.2021
Prozent des Sommerstauziels [%]
Leibis/Lichte 26,017 78
Scheibe-Alsbach 1,929 100
Schönbrunn 22,118 99
Ohra 17,224 99
Neustadt 1,208 101
Tambach-Dietharz 0,754 94

Langjährige Messergebnisse und Tendenzen

Die Bedeutung der Trinkwassertalsperren, der Brauchwassertalsperren und der Hochwasserrückhaltebecken nehmen eine immer wichtigere Rolle als ausgleichende Elemente im Wasserkreislauf wahr. Die Klimaveränderungen sind in den Messwerten der letzten 30 Jahre bereits deutlich erkennbar. So hat die Jahresmitteltemperatur gegenüber dem Zeitraum 1961-1990 thüringenweit um 1,1 Kelvin zugenommen und auch der Jahresniederschlag stieg um drei Prozent an. Hierbei ist die zeitliche Verteilung des Niederschlags von entscheidender Bedeutung: So nahm seit 1991 der Niederschlag in den Monaten April um 27 Prozent und Juni um 18 Prozent ab, das sind deutliche Anzeichen einer zunehmenden Frühjahrs- und Frühsommertrockenheit. Hingegen deutet die Zunahme des mittleren Juli-Niederschlags um 38 Prozent auf ein gestiegenes Starkniederschlagsrisiko hin. Die Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Einzugsgebiete der Talsperren sind je nach Standortcharakteristika unterschiedlich stark ausgeprägt. In Verbindung mit kürzeren, kleineren und zeitiger schmelzenden Schneerücklagen wurde an allen Standorten der Thüringer Talsperren in den letzten 30 Jahren eine deutliche Verschiebung des Abflussregimes beobachtet, hin zu einem immer mehr in den Wintermonaten geprägten Wasserdargebot. Direkte Folge dieser zeitlichen Konzentration ist eine stärkere Inanspruchnahme der Betriebsräume und daraus resultierende größere Wasserspiegelschwankungen in den Talsperren.

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