TS Ohra: Umfangreiche Maßnahmen sichern langfristige Versorgung

Entnahmeturm erhält eine Verankerung

Luisenthal – Für den Rohwasserentnahmeturm der Talsperre Ohra wird die normgerechte Zuverlässigkeit nach dem aktuellen technischen Regelwerk hergestellt. Die Zuverlässigkeit des in den sechziger Jahren erbauten Rohwasserentnahmeturms konnte bisher rechnerisch nicht nachgewiesen werden. 16 Zugglieder geben zukünftig dem Turm zusätzlichen Halt und Konformität zum Regelwerk.

Vor acht Jahren begannen mit der Nachweisführung der Zuverlässigkeit die Arbeiten und enden aktuell mit der rund eine Millionen Euro (brutto) umfassenden Sanierungsmaßnahme. Ingenieure der Thüringer Fernwasserversorgung (TFW) untersuchten und prüften zusammen mit Ingenieuren eines Ingenieurbüros sowie Vertretern der Stauanlagenaufsicht verschiedene Varianten für eine normgerechte Stabilität des Turmes. Es kamen nur Sanierungsvarianten in Frage, bei denen die Trinkwasserversorgung der 230 Fernwasserkunden mit rund 700000 Thüringern im Versorgungsgebiet nicht unterbrochen werden musste. Die TFW entschied sich, den Turm mit 16 Zuggliedern zu stabilisieren, ohne die Bodenplatte des Turms mehr als nötig zu belasten.

Im Juli 2020 begannen die Arbeiten an dem über 65 Meter hohen Entnahmeturm der Talsperre. Die Ausführung der Hauptarbeiten – Bohrarbeiten sowie Einbau und Injektion von Zugliedern (Litzenanker und Mikropfähle) – können wegen der räumlichen Enge in der Schieberkammer des Entnahmeturms und der begrenzten Transportlogistik als Herausforderung angesehen werden. Zunächst wurde ein sogenannter Probeanker gesetzt, um die Technologie und das weitere Vorgehen für den Einbau gesichert abstimmen zu können. Mit den dabei gewonnenen Erfahrungen begann anschließend das Einbringen der finalen Pfähle und Anker. Die Zugglieder reichen bis 14 Meter in die Tiefe. Acht sogenannte Litzenanker, bestehend aus vorgespanntem verdrillten Stahlseilen, erbringen einen ständigen Lasteintrag mit einer Festlegekraft von jeweils 110 Tonnen. Bei hohen äußeren Belastungen, wie beispielsweise großen Stauhöhen, werden zusätzlich acht Mikropfähle aktiviert, die ebenfalls für eine Belastung von jeweils 110 Tonnen konzipiert sind. Jedes der Zugglieder wird nach dem Einbau Probebelastungen ausgesetzt, um den praktischen Nachweis für ihre Belastbarkeit zu erbringen. Die Kräfte wurden im Rahmen der Tragwerksplanung nachgewiesen und durch einen öffentlich bestellten Prüfstatiker bestätigt. Die TFW geht von einem Abschluss der Verankerungsmaßnahmen Anfang kommenden Jahres aus. Nach der Umsetzung können die engmaschigen Kontrollen des Bauwerkes, wie beispielsweise die Sohlenwasserdruck- oder Sickerwasserabflussmessungen wesentlich reduziert werden.

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