Untersuhl – Bauarbeiten zur Renaturierung der Werraaue im Bereich Untersuhl beginnen

Die strukturarme Weihe: Querschnitt und Tiefe sind einheitlich, die Ufer steil und teilw. befestigt. Foto: Dr. Rainer Scheibke, emc GmbH

Die Thüringer Fernwasserversorgung (TFW) hat die Firma Strassing GmbH mit den Arbeiten zum Wasser- und Landschaftsbau beauftragt. Auf längeren Teilstücken der Bachläufe Rhedengraben und Weihe wird der Gewässerverlauf naturnah gestaltet und teilweise der alte Verlauf wiederhergestellt. Die beiden Bachläufe Rhedengraben und Weihe waren im Zuge der historischen Entwicklung mehrfach umgelegt und zum Teil begradigt worden, sodass sie sich von ihrem natürlichen Erscheinungsbild weitgehend entfernten.

Die Renaturierung erfolgt im Zuge einer der 40 Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zur Kompensation der entstandenen Eingriffe in den Naturhaushalt, die beim Bau der Trinkwassertalsperre Leibis/Lichte im Thüringer Schiefergebirge entstanden waren.

Ziele der Maßnahme sind:

  • Erhöhung der Strukturvielfalt des Gewässers (variable Gewässerbreite, -tiefe, Böschungswinkel und Fließgeschwindigkeit)
  • Schaffung von Entwicklungskorridoren zur eigenständigen Gewässerentwicklung
  • Etablierung naturnaher Ufervegetation
  • Herstellung der Durchgängigkeit für Fische und Kleinlebewesen
  • Wanderhilfe für den Fischotter (Brücke L 1022)
  • Schaffung von Amphibienlebensräumen (Tümpelfeld, Flutmulde)
  • Schaffung mageren Grünlandes frischer Standorte
  • Vernetzung wertvoller Biotopstrukturen („grünes Band“ und Nachbarbiotope)
Zielzustand: Richtungsänderungen, Varianz von Tiefe, Breite und Fließgeschwindigkeit, Varianz der Steilheit der Uferböschungen, Entwicklungskorridor für Laufveränderungen. Foto: Christoph Altmannshofer, emc GmbH

Diese Maßnahmenziele kommen auch der Gemeinde Gerstungen bzw. dem Gewässerunterhaltungsverband Hörsel/Nesse zugute, die für die Herstellung und den Erhalt des guten ökologischen Zustandes an Gewässern 2. Ordnung gemäß Wasserrahmenrichtlinie verantwortlich sind. Die Maßnahmen liegen im FFH-Gebiet, im Vogelschutzgebiet und im Überschwemmungsgebiet, weshalb die Bauzeit auf den Spätherbst und Winter beschränkt ist. Da zudem der geschützte Biber im Maßnahmengebiet lebt, wurde mit der Wahrung der Belange des Naturschutzes eine ökologische Baubegleitung beauftragt, die die hohen Anforderungen an die Bauausführung überwacht.

Zunächst beginnt die Baufeldfreimachung durch Mahd der Wiesen und Böschungen mit simultaner Begleitung des Kampfmittelräumdienstes auf dem ehemaligen Grenzgebiet. Das Baufeld wird dann mit Amphibienleiteinrichtungen ausgestattet. Ab September sind Baumfällungen und anschließend die Hauptbaumaßnahme zur Umgestaltung der zu renaturierenden Bereiche vorgesehen. Geplant ist ein Abschluss der Baumaßnahmen im FFH-Gebiet im Februar 2021.

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