Wasserversorgung gesichert: Talsperren führen genügend Wasser

Talsperren der Thüringer Fernwasserversorgung gehen gut gefüllt in Sommersaison

Thüringen – Die Trinkwassertalsperren in Thüringen gehen mit hohem Füllstand in das hydrologische Sommerhalbjahr. Die Ressourcen der sechs Trinkwassertalsperren decken über 50 Prozent des gesamten Trinkwasseraufkommens im Freistaat. Der zurückliegende Winter wirkte sich auch positiv auf alle Brauchwassertalsperren aus.

Die sechs versorgungswirksamen Trinkwassertalsperren im Freistaat verzeichnen mit Ende des hydrologischen Winterhalbjahres Höchststände. Ihre Betriebsräume sind sehr gut gefüllt und stellen das Reservoir für die Versorgung mit dem qualitativ hochwertigen Lebensmittel „Trinkwasser“ sicher. Jährlich werden rund 50 bis 52 Millionen Kubikmeter Wasser zur Trinkwasseraufbereitung aus den Talsperren durch die Thüringer Fernwasserversorgung (TFW) bereitgestellt. Die hohen Zuflüsse insbesondere in den Monaten Januar und Februar waren vor allem auf die Schneeschmelze zurückzuführen. Vor allem im Thüringer Wald konnten durch die Hochwasserschutzräume in den Talsperren erhebliche Wassermengen zurückgehalten und gleichzeitig Schäden von den unterliegenden Ortschaften abgewendet werden.

Im Monat Mai beginnt das hydrologische Sommerhalbjahr und damit die Absenkzeit für die Talsperren. Bei normalem Witterungsverlauf erreichen sie im Oktober und November ihren niedrigsten Füllstand und verfügen dann wieder über genügend Freiraum für die zu erwartenden Niederschläge und Schneeschmelzen im darauffolgenden Winterhalbjahr.

Füllstände der Thüringer Trinkwassertalsperren

Talsperre Aktueller Inhalt [Mio. m³] zum 5.5.2022 Prozent des Sommerstauziels [%] zum 5.5.2022
Leibis/Lichte 29,117 87,5
Scheibe-Alsbach 1,938 100
Schönbrunn 22,019 99
Ohra 17,292 100
Neustadt 1,235 103
Tambach-Dietharz 0,767 98
Schmalwasser 16,718 84,5

 

Hinweis zur TS Leibis/Lichte: Bedingt durch die ökologische Steuerung der Unterwasserabgabe findet an der Talsperre eine Auffüllung bis 100 Prozent Betriebsstauziel nur alle fünf bis zehn Jahre statt und ist eher die Ausnahme.

Gute Füllstände auch bei Brauchwassertalsperren

Bei den Brauchwassertalsperren wird ebenfalls ein sehr guter Füllstand verzeichnet. Auch hier trug die thüringenweite Schneedecke wesentlich zu den ergiebigen Zuflüssen bei. Vor allem für die Anlagen im von Niedrigwasser betroffenen Thüringer Becken waren die Zuflüsse der letzten Monate ein Segen. Die Talsperren Dachwig, Frohndorf, Großbrembach, Bachra und Großengottern im Thüringer Becken verzeichnen aktuell Füllstände von 92 bis 107 Prozent des Betriebsstauziels. An der Talsperre Lütsche wurde das Sommerstauziel von 580,42 mHN (21,26 mPN) bereits Ende März erreicht.

Die TFW betreibt und unterhält rund 70 Stauanlagen, an denen eine Brauchwassernutzung möglich ist. Derzeit wird aus zehn dieser Anlagen Brauchwasser für Industrie- und Agrarunternehmen zur Verfügung gestellt. Perspektivisch wird mit einem erhöhten Bedarf an Brauchwasser zum Zweck der Bewässerung in der Landwirtschaft gerechnet.

Langjährige Messergebnisse und Tendenzen

Die Trinkwassertalsperren, die Brauchwassertalsperren und die Hochwasserrückhaltebecken nehmen eine immer wichtigere Rolle als ausgleichende Elemente im Wasserkreislauf wahr. Die Klimaveränderungen sind in den Messwerten der letzten 30 Jahre bereits deutlich erkennbar. So hat die Jahresmitteltemperatur gegenüber dem Zeitraum 1961-1990 thüringenweit um 1,1 Kelvin zugenommen und auch der Jahresniederschlag stieg um drei Prozent an. Hierbei ist die zeitliche Verteilung des Niederschlags von entscheidender Bedeutung: So nahm seit 1991 der Niederschlag in den Monaten April um 27 Prozent und Juni um 18 Prozent ab. Das sind deutliche Anzeichen einer zunehmenden Frühjahrs- und Frühsommertrockenheit. Hingegen deutet die Zunahme des mittleren Juli-Niederschlags um 38 Prozent auf ein gestiegenes Starkniederschlagsrisiko hin.

Die Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Einzugsgebiete der Talsperren sind je nach Standortcharakteristika unterschiedlich stark. In Verbindung mit kürzeren, kleineren und zeitiger schmelzenden Schneerücklagen wurde an allen Standorten der Thüringer Talsperren in den letzten 30 Jahren eine deutliche Verschiebung des Abflussregimes beobachtet, hin zu einem immer mehr in den Wintermonaten geprägten Wasserdargebot. Direkte Folge dieser zeitlichen Konzentration sind eine stärkere Inanspruchnahme der Betriebsräume und daraus resultierende größere Wasserspiegelschwankungen in den Talsperren.

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