Trinkwassertalsperre Tambach-Dietharz

Die Talsperre Tambach-Dietharz, im Volksmund auch „Alte Tambacher Talsperre“ genannt, liegt am Südrand der Stadt Tambach-Dietharz und staut das Wasser der Apfelstädt und das Mittelwasser. Sie wurde als erste Talsperre im Thüringer Wald in den Jahren 1902 bis 1905 zur Trinkwasserversorgung der Stadt Gotha errichtet. Mit rund 0,78 Mio. Kubikmetern Stauraum gehört die Talsperre zu den eher kleineren Stauanlagen in Thüringen. Im Jahr 1906 wurde sie erstmals in Betrieb genommen.

Im Verbund mit der Talsperre Schmalwasser hat die Talsperre Tambach-Dietharz die Aufgabe, Rohwasser in ausreichender Menge und Qualität bereitzustellen. Seit dem Jahr 2021 wird aus den Talsperren Tambach-Dietharz und Schmalwasser, die über den Mittelwasserstollen miteinander verbunden sind, Rohwasser für den "Wasser- und Abwasserzweckverband Gotha und Landkreisgemeinden" bereitgestellt. Die Talsperre gehört damit aktuell zu den versorgungswirksamen Stauanlagen der Thüringer Fernwasserversorgung.

Luftseite der Staumauer der Talspüerre Tambach-Dietharz
Luftseite der Staumauer

Geschichte der Talsperre

Ende des 19. Jahrhunderts stand die Stadt Gotha vor der Herausforderung, die Trinkwasserversorgung ihrer Bürgerinnen und Bürger auch vor dem Hintergrund eines starken Bevölkerungswachstums sicherzustellen. Daher erarbeitete der damalige Leiter des Gothaer Wasserwerks, der Ingenieur Hugo Mairich, neue Pläne für die Wasserversorgung seiner Stadt. Sein ursprünglicher Plan, weitere Quellen an die Wasserversorgung der Stadt anzuschließen, ließ sich aus verschiedenen Gründen nicht realisieren. Daraufhin schlug Mairich der Stadtverwaltung Gothas im Jahr 1897 den Bau eines „Stauweihers“ vor. Seine Pläne, die Anlage einige hundert Meter unterhalb des Zusammenflusses von Mittelwasser und Apfelstädt zu errichten, stießen zunächst auf großen Widerstand innerhalb der Bevölkerung. Um die Bedenken zu entkräften, wurde der renommierte Bauingenieur und Experte für Wasserwirtschaft Otto Intze für das Projekt hinzugezogen. In seinem Gutachten befürwortete er den Bau, sodass die Gothaer Stadtverordnetenversammlung das Vorhaben am 17. März 1899 einstimmig bewilligte. Im September 1902 begann schließlich der Bau der Talsperre. Hugo Mairich allerdings erlebte diesen Tag nicht mehr, da er einige Wochen zuvor bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt war.

Nach drei Jahren Bauzeit und Kosten von rund 900.000 Mark konnte die Talsperre im Oktober 1905 fertiggestellt und vom Gothaer Wasserwerk in Betrieb genommen werden. Die feierliche Einweihung des Bauwerks, das fortan als „Gothaer Talsperre bei Tambach“ oder „Gothaer Talsperre zu Tambach-Dietharz“ bezeichnet wurde, fand am 7. Juli 1906 statt. Das zum Zeitpunkt der Weihefeier bereits gefüllte Staubecken versorgte die Bevölkerung der Stadt Gotha, so wie von Hugo Mairich geplant, in den folgenden Jahrzehnten zuverlässig mit Trinkwasser.

Technische Konzeption

Die Sperrmauer der Talsperre Tambach-Dietharz ist aus Porphyr-Bruchstein gemauert. Zum Verbinden der Mauersteine kam Mörtel aus Zement, Kalk und Sand zum Einsatz. Wasserseitig des Bruchsteinmauerwerks wurde bis etwa zur halben Mauerhöhe eine verdichtete Erdschüttung nach dem „Intze-Prinzip“ eingebracht.

Die Talsperre Tambach-Dietharz besitzt zwei Grundablässe mit einer jeweiligen Nennweite von DN 800. Die Rohwasserentnahme erfolgt über eine elf Meter oberhalb der Grundablässe angeordnete Entnahmeöffnung, die mit einer Fallleitung DN 800 auf den linken Grundablass einbindet.

Im Falle eines Hochwasserereignisses kann das Wasser über eine Sammel- und Schussrinne mit Kaskadenabsturz über den Fels in das Tosbecken abgeführt werden. Die installierte Überlaufschwelle ist 40 Meter lang.

Die Talsperre Tambach-Dietharz verfügt über eine zur Vorreinigung der Zuflüsse errichtete Vorsperre im Apfelstädter Grund.

Generalinstandsetzung zur Wendezeit

Im Rahmen einer Generalinstandsetzung in den Jahren 1987 bis 1991 wurde die Bruchsteinmauer der Talsperre einschließlich aller Nebenanlagen von Grund auf rekonstruiert. Der wasserseitige „Intze-Keil“ wurde zurückgebaut. An dessen Stelle wurde eine Vorsatzbetonmauer einschließlich Kontrollgang errichtet. Der Untergrundbereich wurde mit einem Dichtungsschleier abgedichtet. Damit wurde die Talsperre an die heutigen technischen Standards angepasst. Das Schieberhaus wurde komplett neu errichtet. Für die Einbindung in die Verbundwasserversorgung wurde eine neue Rohwasserableitung hergestellt.

Ein Bauwerk mit vielen Aufgaben

  • Roh- und Brauchwasserbereitstellung
  • Niedrigwasseraufhöhung
  • Stromerzeugung aus Wasserkraft
  • Rohwasserreserve für die Daseinsvorsorge

Kulturelle Nutzungen

Feuerwerk über der in rotes Scheinwerferlicht getauchten Staumauer der Talsperre
Feuerwerk zum Talsperrenkonzert

Gelegen am Eingang des Mittelwasser- und Apfelstädter Grunds ist die Talsperre ein günstiger Ausgangspunkt für kürzere und ausgedehnte Ausflüge. Eine Rad- oder Wandertour an der Talsperre entlang bis zum Mittelwasserteich und der Köhlerhütte (ca. 3 km) lohnt sich ebenso wie eine längere Tour durch den Mittelwasser- oder Apfelstädter Grund.

Im Jahr 2000 hat die Stadt Tambach-Dietharz das Talsperrenkonzert ins Leben gerufen, das seither einmal im Jahr stattfindet. Vor der malerischen Kulisse der über 20 Meter hohen Staumauer - umgeben von viel Grün - erleben Besucherinnen und Besucher ein ganz besonderes Klangerlebnis. Ein faszinierendes Farbenspiel ergibt sich, wenn die Staumauer im Licht der bunten Scheinwerfer erstrahlt.

Einbindung in das Projekt "Westringkaskade"

Seit dem Jahr 2020 ist die Talsperre Tambach-Dietharz in den Betrieb der sogenannten „Westringkaskade“ eingebunden. Der „Westring“ ist ein Abschnitt der Verbundwasserversorgung Nordthüringens, über den Gotha, Teile des Kreises Sömmerda sowie die nördlichen Stadtteile Erfurts an das Fernleitungsnetz angeschlossen sind. Ausgehend von der Talsperre Schmalwasser wird Rohwasser durch den Mittelwasserstollen in die Talsperre Tambach-Dietharz geleitet und von dort in das Rohrleitungssystem abgegeben.

Die technologische Trennung von Trink- und Brauchwasserleitung auf dem aus zwei Rohren bestehenden Leitungsstrang des Westrings ermöglichte das Projekt Westringkaskade der Thüringer Fernwasserversorgung.

Technische Daten

Bauzeit 1902-1905
Inbetriebnahme 1906
Typ des Absperrbauwerks Gewichtsstaumauer (Bruchstein mit gekrümmter Achse)
Höhe über Gründungssohle 26,6 m
Kronenlänge 110,00 m
Kronenbreite 6,50 m
Bauwerksvolumen 31.000 m³
Stauraum (Vollstau) 0,786 m³
gewöhnlicher Hochwasserrückhalteraum 0,00 Mio. m³
Wasserfläche (Vollstau) 0,1 km²
Stauziel (Vollstau) 473,10 m über HN
natürliches Einzugsgebiet 20,66 km²

28.06.2022 - 08:15 Uhr

Freiraum bis Vollstau

Stauinhalt

0,756 Mio. m³

Zufluss

Stollenzufluss

Rohwasserabgabe

Unterwasserabgabe

Zufluss 0,033 m³/s
St.-Zufluss 0,565 m³/s
Stauinhalt 0,756 Mio. m³
Betriebsraum Füllgrad 96,2 96,18 %
Freiraum bis Vollstau 0,030 Mio. m³
RW-Abgabe 0,500 m³/s
UW-Abgabe 0,156 m³/s

Der natürliche Zufluss ergibt sich aus der Apfelstädt und dem Mittelwasser.

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